Barbara Höft / Landesärzte für Gerontopsychiatrie
Empfehlungen für Leistungsstandards in der gerontopsychiatrischen Pflege
Auf der Grundlage eines differenzierten Konzeptes integrativer gerontopsychiatrischer Pflege entstanden die vorliegenden Standards, entwickelt von LandesärztInnen in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Pflegeeinrichtungen. Sie beinhalten die 20 häufigsten Auffälligkeiten und Störungen des Verhaltens infolge psychischer Erkrankung.
Diese sind:
Mit der Entwicklung von Leistungsstandards wird ein effektives Instrument zur Sicherung der Prozessqualität gerontopsychiatrischer Pflege geschaffen.
Sie dienen:
Die innovativen Elemente sind:
Die Arbeitshilfe ist auf die ständige Handhabung im Pflegealltag ausgerichtet: Der Aufbau und die Gestaltung der Standards sind einheitlich, neben den gedruckten Vorlagen wird zusätzlich eine Diskette für die individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der einzelnen Einrichtungen mitgeliefert. Das begleitende Handbuch hilft u.a. durch Anwendungsbeispiele bei der erfolgreichen Umsetzung.
Psychosoziale Arbeitshilfe 13, ISBN 3-88414-233-X, 60 Seiten mit 20 Standardvorlagen und Diskette, 29.80 DM ( 27.50 sFr / 218 öS )
Bestellung:
Psychiatrie-Verlag
Th.-Mann-Str. 49a
53111 Bonn
Fax: 0228 / 72534-20 · eMail: verlag@psychiatrie.de ·
http://www.psychiatrie-verlag.de/buecher/233.htm
Hier können Sie sich zwei Leistungsstandards anschauen:
Gerontopsychiatrischer Pflegestandard: Weglauftendenzen
Bewohner verlässt seinen Lebensraum ( Wohngruppe, Pflegeheim ) zufällig oder gezielt, ohne Absprache mit den Pflegemitarbeitern.
Zielgruppe:
Demenz: Auftreten in Verbindung mit Orientierungsstörungen, Gedächtnisstörungen, und mangelnder Fähigkeit, seine Handlungsimpulse im "Hier und Jetzt" angemessen zu steuern;
Depressive Störung: akute Suizidimpulse, Suizidalität,
Schizophrene Psychosen: z.B. bei akutem Wahnerleben, "beauftragt durch" Halluzinationen,
Abhängigkeitserkrankungen: Beschaffung von Suchtmitteln im Rahmen von Suchtverhalten
Ziel: Reduktion der Weglauftendenz, Lenkung in alternative motorische Aktivitäten, Vermeidung von
selbst- und fremdgefährdendem Handeln
| Ablauf der Leistung | Erkennen der Weglauftendenz aufgrund von Äußerungen und
Verhaltensbeobachtung Erstellen eines individuellen Pflegeplanes und Auswahl der Arbeitsmittel in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Facharzt Beachte: mögliche Selbstgefährdung , Fremdgefährdung, Umtriebigkeit / psychomotorische Unruhe à und aggressives Verhalten Beachte: rechtliche Voraussetzungen |
| Qualifikation der Mitarbeiter | Pflegefachkräfte und angeleitete Mitarbeiter |
| Arbeitsmittel |
Information aller Mitarbeiter ( Eingangsbereich!, Hausmeister! ), Angehörigen
und ggf. Nachbarschaft Bezugsperson für jede Schicht auswählen und benennen Vertraute Atmosphäre schaffen (Biografie, Möblierung) "Sicht- und Hörbarbleiben" des Pflegepersonal während des ganzen Tages Beaufsichtigung/Kontrolle (mit Zeitplan, engmaschig in akuten Phasen) Tages- und wochenstrukturierende Maßnahmen, Mit Gesprächen und geeigneten Aktivitäten ( z.B. biografiebezogen ) vom akuten Weglaufimpuls bringen Einbinden in Gruppenaktivitäten Adresse in Kleidungsstücken, Handtasche etc. anbringen Prüfung des Bewohnerverhaltens im Straßenverkehr Aktuelles Foto in der Dokumentation ( unter Beachtung der rechtlichen Gegebenheiten ) |
| Zeitfaktor | Intensität der Maßnahmen nach individuellen Erfordernissen und Teamabsprachen |
| Dokumentation | Immer bei Veränderungen, insbesondere bei selbst- und fremdgefährdendem Verhalten, mindestens einmal wöchentlich |
| Zielkontrolle | Reduktion der Weglaufimpulse, größtmöglichen Bewegungsraum sichern, Überprüfung der Bewohnerzufriedenheit |
Gerontopsychiatrischer Pflegestandard: Angst
Mit Angst bezeichnet man einen unangenehmen, gefühlsmäßigen Zustand meist mit körperlichen Begleiterscheinungen (Herzrasen, Zittern), hervorgegangen aus einem Gefühl der Bedrohung, das oft nicht objektivierbar ist. Angst kann unbestimmt, gegenstandslos, irreal, anonym, unmotiviert sein oder auch zielgerichtet, objektbezogen. Angst ist ein häufiges Symptom psychischer Erkrankungen.
Zielgruppe:
Demenz: in Verbindung mit Orientierungs- und Gedächtnisstörungen, in Überforderungssituationen
Depressive Störungen: sehr häufig
Schizophrene Psychosen: im Rahmen von Wahn à und Halluzinationen
Abhängigkeitserkrankungen: bei depressiver Stimmungslage à und Entzugserscheinungen
Ziel: Beseitigung der Angst, Besserung des Wohlbefindens.
| Ablauf der Leistung | Erkennen und Beschreiben der Angst aufgrund des Verhaltens, der Äußerungen und der Körpersymptome Erstellen eines individuellen Pflegeplanes und Auswahl der Arbeitsmittel in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Facharzt Beachte: Vermeidung von selbstgefährdendem Verhalten Weglauftendenz à und aggressivem Verhalten Beachte: körperliche Beeinträchtigungen ( z.B. hormonelle Störungen, insbesondere Störungen der Sinnesorgane ) als Auslöser |
| Qualifikation der Mitarbeiter | Pflegefachkräfte und angeleitete Mitarbeiter |
| Arbeitsmittel |
Einschätzung möglicher Auslöser anhand des aktuellen Verhaltens, der
Situation, der Erkrankung und der Biographie Ausschaltung ggf. vorhandener Auslöser und verstärkender Bedingungen Konstante Bezugsperson benennen ( möglichst für jede Schicht ) "Sicht- und Hörbarbleiben" des Pflegepersonal während des ganzen Tages Tages- und Wochenstrukturierung mit Vereinbarung individueller Ziele und Abläufe spezifische Betreuungsmaßnahmen ( Ergotherapie, Musiktherapie, Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren, Selbstsicherheitstraining ) Angehörige über ängstliches Verhalten aufklären und in Maßnahmen einbeziehen Medikation: Prüfung von Wirkung / Beschreibung möglicher Begleitwirkungen |
| Zeitfaktor | Intensität der Maßnahmen nach individuellen Erfordernissen und Teamabsprachen |
| Dokumentation | Immer bei Veränderungen, mindestens einmal wöchentlich |
| Zielkontrolle | Bewertung der Angst durch Betroffenen und Bezugspersonen |